Band I/1 Choralphantasien

MRI Der Melodiereichtum der protestantischen Liturgie faszinierte Max Reger – obwohl in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen – schon seit seiner Jugend und prägte seine Werke lebenslang. In allen Phasen seines künstlerischen Schaffens finden sich Choralzitate, die musikalisch kunstvoll verarbeitet und in sehr persönlicher Weise ausgedeutet werden. Von Spätsommer 1898 bis Herbst 1900, also in einem vergleichsweise kleinen Zeitraum von zweieinhalb Jahren, komponierte Reger in Weiden insgesamt sieben Choralphantasien, die zu seinem Durchbruch als Orgelkomponist maßgeblich beitrugen. Sie gehören bis heute zum virtuosen Kernrepertoire spätromantischer Orgelmusik. Den Impuls, nach Strophen gegliederte Phantasien über Choräle zu schreiben, erhielt er durch die 1895 veröffentlichte Phantasie über den Choral »Wie schön leuchtet der Morgenstern« op. 25 von Heinrich Reimann. Alle sieben Choralphantasien Regers greifen die von Reimann vorgestellte strophisch durchgebildete Form mit mehreren Binnengliederungen auf, gehen in ihrer strukturellen und spieltechnischen Komplexität jedoch über dessen Konzeption weit hinaus. Sie zielen auf große Schlusssteigerungen hin, die zumeist durch groß angelegte Fugen erreicht werden. Die Choralphantasie über »Wie schön leucht’t uns der Morgenstern« op. 40 Nr. 1 bezeichnete Regers selbst gegenüber seinem einstigen Lehrer gar als »Programmmusikwerk«.

Bd. I/2–3 Phantasien und Fugen, Variationen, Sonaten, Suiten

MRI Mit seinen nicht choralgebundenen Orgelwerken »großen Styls« gedachte Reger die innovativen Möglichkeiten der modernen Konzertorgel (sowie ihrer Spieler) voll auszuschöpfen. Besonders präsent ist hierbei die vielschichtige Orientierung an den Werken seines großen Vorbilds Johann Sebastian Bach – vor allem natürlich in Phantasie und Fuge über B-A-C-H op. 46, aber auch bereits in der den Manen Bachs gewidmeten Suite e-moll op. 16. Auf diese Weise hauchte Reger dem als »Relikt längst vergangener Zeiten« geltenden Genre Orgelmusik neues Leben ein, ohne es dabei von seiner vor allem barocken Tradition abzukoppeln.
Ein nicht unwesentlicher Aspekt in diesen beiden Bänden ist der Einfluss Karl Straubes auf die Gestalt der Reger’schen Werke. In der I. Sonate fis-moll op. 33 führte er u.a. zur Neuvertonung einer ganzen Strophe (ihre ursprüngliche Fassung ist auf der DVD als PDF herunterladbar), in Introduction, Passacaglia und Fuge e-moll op. 127 geht vermutlich ein Großteil der Vortragsanweisungen auf Straube zurück und in Phantasie und Fuge d-moll op. 135b ist wohl die ein oder andere Streichung eine Folge von Regers Gesprächen mit seinem Freund; in diesem besonderen Fall ist in Bd. I/3 neben der von Reger authorisierten gekürzten Fassung auch eine weitgehende Rekonstruktion der verworfenen Langfassung, die im Konzertleben ebenso präsent ist, abgedruckt.

Bd. I/4 Choralvorspiele

MRI Mit seinen Choralvorspielen hat Max Reger wie kaum ein Komponist der Jahrhundertwende auf dem Feld liturgischer Gebrauchsmusik neue künstlerische Maßstäbe gesetzt. Die Gattung begleitete ihn seine gesamte Laufbahn hindurch, die meisten seiner rund 100 Beiträge entstanden jedoch in den Jahren 1899 bis 1902. Zunächst hat Reger die Choralvorspiele ausschließlich als Beigaben für den Zeitschriftenmarkt komponiert und insbesondere in zwei sehr jungen Periodika publiziert: in der Monatschrift für Gottesdienst und kirchliche Kunst, welche die beiden Straßburger Theologen Friedrich Spitta und Julius Smend 1896 ins Leben gerufen hatten, sowie den Blättern für Haus- und Kirchenmusik, die ab 1897 beim Verlag Beyer & Söhne in Bad Langensalza erschienen (dort herausgegebene Vorspiele wurden später zu dem Sammelopus 79b zusammengefasst). Die 1903 bei Lauterbach & Kuhn veröffentlichten Zweiundfünfzig leicht ausführbaren Vorspiele zu den gebräuchlichsten evangelischen Chorälen op. 67 waren dann erstmals als Sammlung angelegt und stilistisch entsprechend breit gefächert: Kurze Vorspiele von wenigen Takten stehen einigen ausgeprägten Konzertstücken gegenüber. Mit den im Sommer und Herbst 1914 entstandenen Dreißig kleinen Choralvorspiele op. 135a, dem Gegenstück zur gewichtigen Phantasie und Fuge d-moll op. 135b, befriedigte Reger den Bedarf an leichten Kompositionen, die auch auf bescheidener ausgestatteten Orgeln gespielt werden konnten. Diese introvertierten Vorspiele sind zudem einem breiten Umfeld an geistlichen Werken zugehörig, mit denen Reger auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs reagierte.

Bd. I/5–7 Orgelstücke

MRI Max Regers Orgelstücke sind im Wesentlichen als Charakterstücke in der Tradition der musikalischen Romantik gestaltet, wie sie der Komponist auch für Klavier in großer Zahl geschrieben hat. Sie wurden, mit Ausnahme der Werke ohne Opuszahl, vom Komponisten in Sammlungen herausgegeben und sind über dessen gesamte Schaffenszeit verteilt. Es handelt sich – im Gegensatz zu den in den Bänden I/1 bis I/3 vorgelegten, groß dimensionierten Werken – um zumeist kürzere Stücke von vorwiegend mittlerer Schwierigkeit. Viele von ihnen waren auch von ambitionierten Laien und Schülern technisch zu bewältigen, die Reger auf diese Weise erreichen und so seinen Bekanntheitsgrad weiter erhöhen konnte. Einige Werke verdanken ihre Entstehung direkten Verlagsanfragen und bisweilen hatte Reger auch die Bedürfnisse des Orgelunterrichts im Blick. Der Großteil der Stücke fand seinen Platz jedoch vor allem im Konzertsaal. Reger nutzte für seine Orgelstücke insbesondere das Formenrepertoire, das in seiner Klaviermusik Verwendung fand, und griff mitunter auch auf liturgisch gebundene Formen oder Melodien aus der katholischen Kirchenmusik (Kyrie, Gloria, Benedictus, Te Deum, Ave Maria) zurück. Die planvoll konzipierten Sammlungen integrieren mehrfach kleinere Satzeinheiten, wobei Reger besonders häufig Präludium oder Toccata mit einer Fuge (bzw. Fughette) kombiniert.